MGV Waldfrieden e.V.
Ein Lied das aus der Kehle schallt, am schönsten klingt im grünen Wald

Viele Jahre sind nunmehr vergangen, seitdem eine Gruppe sangesfreudiger Männer unseren Gesangverein gründeten. Der geneigte Leser dieser Zeilen wird - manchmal mit Schmunzeln - feststellen, dass sich vieles in der Vereinsgeschichte wiederholt und früher manches so viel anders gar nicht war.

Am 29. Januar 1924 gründeten 27 Bürger aus dem damaligen Schulbezirk Kocherscheid diesen Verein. Hauptinitiator und erster Dirigent war der Lehrer der einklassigen Schule, Herr Wilhelm Ufermann. Auch in den späteren Jahren spielten die jeweiligen Lehrer der Schule im Auf und Ab der Vereinsgeschichte immer wieder tragende Rollen.

Ein Honorar bekam der erste Dirigent noch nicht; der Verein hatte lediglich die Kosten für das Licht und das Brennmaterial im Probelokal zu tragen. Das erste Probelokal war zunächst der Schulraum in der Kocherscheider Schule. Obwohl die finanziellen Möglichkeiten der ersten Vereinsmitglieder sehr begrenzt waren (der Vereinsbeitrag betrug 30 Pfennig im Monat), konnte der Vereinschronist schon am 28. April 1924 stolz die Anschaffung eines Harmoniums, hergestellt von der Firma Bongardt in Barmen, in das Protokollbuch des Vereins eintragen. Die seinerzeitigen handschriftlichen Protokollbücher, Tage- und Kassenbücher, sind noch vollständig erhalten. Das Harmonium kostete 258 Mark und 70 Pfennig; es wurde zum größten Teil durch Spenden finanziert. Das Cassabuch des jungen Vereins weist in den ersten Jahren einen Jahresetat von jeweils 400 - 500 Mark aus.

Einige der ersten Lieder, die unsere Vereinsgründer probten, werden auch heute noch gern von uns gesungen, wie z. B. "Hab oft im Kreise der Lieben" (sollst uns nicht lange klagen, was alles dir wehe tut, nur frisch, nur frisch gesungen, und alles wird wieder gut...) und das "Sieglied".

Auch in jenen schweren Jahren der Weimarer Republik sahen die Sänger nicht nur die Pflege des (dem Zeitgeist entsprechend natürlich "deutschen") Liedgutes als ihre Aufgabe an, sondern insbesondere auch die Pflege und die Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühles durch gesellige Veranstaltungen. Vereinsausflüge (der erste ging nach Marienthal) sowie "gemütliche Abende" (dieser Begriff hat sich bis heute für das jährliche Vereinsfest erhalten) bestimmten das Vereinsleben damals wie heute.

Den ersten öffentlichen Auftritt wagten die frischgebackenen Chorsänger bereits nach einem halben Jahr, am 27. Juli 1924 anlässlich des vom MGV "Im Grunde" Oberirsen veranstalteten Sängerfestes. Gemeinsam mit dem Männergesangverein Dahlhausen und unter Mitwirkung der Altenkirchener Feuerwehrkapelle schritt man stolz und ängstlich zugleich dem Festzelte zu und war erleichtert, gleich auf Anhieb einen "gewaltigen Eindruck" hinterlassen zu haben. Die allererste Bewährungsprobe war bestanden; der erste öffentliche Auftritt geglückt.

Den Sängern und dem Dirigenten wurde großes Lob zugesprochen; schließlich hatte man bereits sieben Lieder in seinem Repertoire. Am 31. 8. 1924 wurde das Stiftungsfest zu Heupelzen mit gutem Erfolg besucht und schon am 26./27. 7.1925 wurde das erste eigene Sängerfest bestritten. An diesem ersten Sängerfest nahmen 10 Gastvereine teil und es ist ohne Schlägerei und Rauferei abgelaufen. Der Beitrag wurde in jenem Jahr auf 1 Mark monatlich angehoben. Ende 1926 erhielt der Verein mit Herrn Philipp Sonntag aus Eitorf einen tüchtigen und hochbegabten Dirigenten (Kosten: 8 Mark je Probe), der bereits ein Jahr später mit den Sängern gegenüber starker Konkurrenz beachtliche Erfolge erzielte.

In der Generalversammlung am 2. Januar 1927 (Vereinslokal war inzwischen die Gaststätte Wilhelm Bitzer - jetzt Ehrenstein - in Mittelirsen) wurde der Ankauf einer Vereinsfahne beschlossen. Aus heutiger Sicht ist man angesichts der Breite der Ausführungen, die dieser Vorgang in der Vereinschronik ausmacht, geneigt, zu schmunzeln. Damals jedenfalls war die Anschaffung des würdigen Tuches eine höchst wichtige Angelegenheit. Aus einer großen Anzahl von Anbietern hatte die Godesberger Fahnenfabrik das günstigste Angebot abgegeben. Immerhin 600 Mark kostete die Vereinsfahne; sie durfte in 3 Raten mühevoll abgezahlt werden. Während die Wahl des Vorstandes problemlos verlief, entbrannten um die hochbegehrten Funktionen der Fahnenträger und Fahnenjunker heiße Kampfabstimmungen.

Am 26./27. Juni 1927 fand schließlich das dreijährige Stiftungsfest unseres Vereines mit gleichzeitiger Fahnenweihe statt. Zur Musik spielte die Kurkapelle Eitorf auf, deren Kapellmeister ebenfalls unser Dirigent, Herr Philipp Sonntag, war. Bei einem Wettsingen im Rahmen dieser Festlichkeit erreichten die Sänger des MGV »Waldfrieden« sämtliche ersten Preise in der ersten Wettbewerbsklasse und darüber hinaus den Dirigentenpreis. Erst viele Jahre später (1954 unter Dirigent Erich Sommer in Altenkirchen) konnte der Verein bei einem ähnlichen Wettstreit seine Arbeit mit vergleichbaren Erfolgen krönen.

Diverse Sängerfeste benachbarter und befreundeter Gesangsvereine wurden im Jahre 1927 noch besucht und am 12. Februar 1928 fand wieder ein gemütlicher Abend statt (mit Musik von Violine und Guitarre, ausgeführt von 2 Arbeitslosen aus Wissen). Das 5-jährige Stiftungsfest fand 1929 unter großer Anteilnahme in Kuchhausen statt und erbrachte den großartigen Gewinn von 290 Reichsmark.

Die Jahre flossen dahin, die politischen Verhältnisse änderten sich grundlegend und die Vereinschronik vermerkt besonders das feierliche Begehen von Heldengedenktagen. Im Jahre 1934 tritt der Verein dem Deutschen Sängerbund bei und feiert am 10. Juli sein 10. Stiftungsfest in Mittelirsen. Anlässlich der Generalversammlung am 3.1.1937 vermerkt das Protokoll ausdrücklich: "Es wurde den Sängern wärmstens empfohlen, die Übungsstunden regelmäßig zu besuchen", ein Satz, der wohl während der Vereinsgeschichte immer aktuell war und ist.

Die jährlichen Ausflugsziele erinnern an diejenigen, die auch in der heutigen Zeit wiederholt werden; so ging es 1936 nach Winningen an der Mosel, 1938 nach Düsseldorf zur Rundfunkausstellung (die damals allerdings "Schaffendes Volk" hieß) und zum Schloss Burg an der Wupper. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Sänger war in jenen Jahren offenbar besonders stark ausgeprägt, und so ließ man dann auch keine Gelegenheit zum Feiern aus. Zum gemütlichen Abend am 26. Febr. 1938 bestand schon ein Brauch, der heute noch fortgilt: Jedes Vereinsmitglied brachte ein kleines Päckchen mit, das als Preis für die am selben Abend stattfindende Verlosung galt. An jenem gemütlichen Abend gab es "so um die Mitternachtsstunde dann Essen, bestehend aus Wurst, Brötchen und Kartoffelsalat, welches dem Magen nochmals gute Sättigung brachte, um mit neuer Kraft den Abend weiterzufeiern".

Solidarität üben und Geselligkeit pflegen war eins und als am 29.10.1938 zwei Sänger zum Arbeitsdienst mussten, "hatte sich der Verein mit einigen Liedern zusammengefunden und mit Trinken, Gesang und Humor den Abend verbracht. Am Schluss gab's noch ein Frühstück, Bratheringe, Rollmöpse und Brötchen". Der Abschiedsabend muss lang gewesen sein. Doch es wurde auch fleißig gesungen und geprobt; Dirigent in den Dreißiger Jahren war Herr Schneider.

Das Cassa-Buch des MGV weist für 1937 noch Einnahmen von 582,07 RM aus, 1938 waren es 346,61 RM, 1939 noch 177,01 RM und 1940 schließlich nur noch 55,22 RM. Was hinter diesen trockenen Zahlen steht, beschreibt der damalige Protokollführer wie folgt: " . .. dann machte der am 1. September 1939 anfangende 2. Weltkrieg allem ein Ende für unseren Gesangverein, mussten doch eine ganze Reihe von Mitgliedern zur Wehrmacht einrücken und so fand am 12. August 1939 die letzte Gesangsstunde statt. Die noch nicht eingezogenen Mitglieder hielten das Vereinsleben vorläufig noch aufrecht, indem sie die Beiträge weiter zahlten und dafür Päckchen an die Kameraden bei der Wehrmacht sandten. Im Laufe des Jahres 1940 wurden dann fast alle Sänger Soldaten und damit hörte jede Vereinstätigkeit auf'.

Nach der langen Zwangspause nahmen die Sänger, die der Krieg am Leben gelassen hatte, im Oktober 1949 die Vereinstätigkeit wieder auf. Es würde den Rahmen dieser Ausführungen sprengen, auch die Nachkriegsgeschichte unseres Vereins bis in die heutige Zeit hinein wiederzugeben, zumal die jüngere Geschichte den meisten unserer Mitglieder und Freunden ohnehin bekannt ist. Erinnert sei jedoch an dieser Stelle an die wertvolle Aufbauarbeit, die die Lehrer Lampe und Knips sowie vor allen Dingen unser langjähriger Dirigent Erich Sommer leisteten.

Festgehalten werden muss aber auch die aufopferungsvolle Tätigkeit unseres langjährigen Vorsitzenden Kurt Budach, der es über viele Jahre verstanden hat, ganz besonders in schlechten Zeiten, das Vereinsschiff sicher zu steuern. 

Die musikalische Leitung unseres Chores lag nach Erich Sommer in den Händen der Herren: Hans Hoffmann, Hartlieb Hares, Wolfgang Schreiner, Johannes Schmitz, Jurek Kaczmarczyk und nunmehr seit mehr als fünf Jahren bei Jürgen Schumacher aus Erbach.

Herr Johannes Schmitz wurde aufgrund seiner langjährigen Verdienste zum Ehrenchorleiter ernannt. Herr Schmitz leitete unseren Chor über 20 Jahre lang. Besonders hervorzuheben sind die gelungenen Konzerte, Erfolge bei Wertungssingen und Wettstreiten sowie im besonderen Maße die Teilnahme am 3. internationalen Chorwettbewerb in Prag im Jahr 1989.

Nicht zuletzt weisen wir auf unser jährliches Programm mit dem Gemütlichen Abend, der Seniorenfeier und der Weihnachtsfeier für die Kinder unseres Einzugsbereiches hin. Aber auch Dorffeste, Waldfeste in Kuchhausen, Jubiläumsfeste und Straßenfeste in Irsen fanden und  finden statt, die zur Bereicherung des dörflichen Lebens beigetragen haben und beitragen. 

In 93 Jahren Vereinsgeschichte ist es nun schon der fünften Sängergeneration gelungen den Chorgesang und das Wirken im dörflichen Leben fortzusetzen. Getreu nach den Gedanken und dem Ansinnen unserer Gründer.

Auch in der jüngeren Vergangenheit war uns das Wirken in unserer dörflichen Gemeinschaft bei Geburtstagen, Hochzeiten und sonstigen Anlässen ein besonderes Anliegen. Auch das Singen beim letzten Geleit auf dem Friedhof gehört zum Sängerleben. Die Sänger sind in all den 93 Jahren der Verpflichtung der Gründer treu geblieben und haben ihr Wirken zur Freude und zum Trost der Bevölkerung des Einzugsbereiches, der ehemaligen Schulgemeinde Kocherscheid, aufrechterhalten und in den Vordergrund gestellt.

Die Sängerschar war in all den Jahren einem stetigen Wandel unterworfen. Waren es beim Sängerfest 1999 noch 34 Sänger, so waren es beim Sängerfest 2009 nur noch 24 Sänger und aktuell sind wir wieder 30 Sänger, die unseren Chor unterstützen.

Den derzeitigen Aufschwung haben wir vor allem unserem Chorleiter Jürgen Schumacher zu verdanken. Jürgen Schumacher ist mit neuen Ideen und vor allem mit neuem Liedgut nach Irsen gekommen.

Es macht Freude das Ergebnis unserer Probenarbeit vorzutragen und wird von unserem Publikum begeisternd aufgenommen. So konnten wir in den letzten Jahren bei vielen Auftritten und Konzerten voll überzeugen.

Es macht Spaß mit uns zu singen.